Ein Blick von oben – Antoine, der Flieger

Gerne leihe ich mir die Worte von Herrn Saint-Exupéry.
Er hat da so manches in der Schublade, fern des allseits bekannten „Prinzen“.

Jahrhundertelang hat meine Kultur
durch die Menschen hindurch Gott betrachtet.
Der Mensch war nach dem Ebenbild Gottes geschaffen.
Man achtete Gott im Menschen.
Die Menschen waren Brüder in Gott.

Dieser Abglanz Gottes verlieh jedem Menschen
eine unveräußerliche Würde.
Die Beziehungen des Menschen zu Gott
begründeten ganz klar die Pflichten
eines jeden gegenüber sich selbst und dem Nächsten …

… Gleichheit ist nur noch ein sinnloses Wort,
wenn nichts vorhanden ist,
worin sich diese Gleichheit knüpfen läßt.

Ich verstehe,
warum in Gott bestehende Gleichheit
keinen Widerspruch und keine Unordnung nach sich zog.
Die Demagogie tritt auf,
wenn in Ermangelung eines gemeinsamen Maßes
das Prinzip der Gleichheit
zum Prinzip der Identität wird.
(Antoine de Saint-Exupéry, Flug nach Arras)

Was verstehen wir heutzutage noch?
Haben wir andere Prinzipien und wie weit tragen diese?

Alles Liebe,
Raffa.

8 Gedanken zu “Ein Blick von oben – Antoine, der Flieger

  1. Manchmal denke ich, Gleichheit ist eine schlechte Wortwahl. Zu bequem ist es, sie mit Gleichmacherei zu verwechseln. Wir sind gleich wertvoll, gleich wichtig, gleich liebenswert. Dennoch haben wir unterschiedliche Bedürfnisse, Ideen, Lebenspläne. Ein schönes Beispiel sind die gerade bei uns aus dem Boden gestampften Neubausiedlungen. Sie erinnern mich an Schlumpfhausen, gleichgemacht und doch stecken in jedem dieser Häuschen individuelle Wünsche und Gedanken. Oder der Genderwahn, der mich immer wieder aufregt. Die Gleichmacherei von Männern, Frauen und Diversen (?) ersetzt die Gleichbehandlung, die Gleichwertigkeit. Die Besonderheiten der einzelnen Geschlechter werden wegdiskutiert. Danke für den Gedankentrigger und ganz liebe Grüße
    Alice

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    • Hmm, da hast du mich (mal wieder) mit deinen Worten uf die Reise geschickt, werte Alice.
      Und so frage ich mich jetzt, ob die Übersetzung die „Baustelle“ sein kann, mit samt der Bedeutung der Worte.
      Leider habe ich keine Original-Ausgabe. Kann man davon ausgehen, daß er „Egalité“ schrieb???
      Zumindest wußte er um die Begrifflichkeit und die Bedeutung aus der französischen Revolution – auch und gerade, wenn er im Text auch von Demagogie spricht, welche gegen die alte „Kultur“ steht.
      Können wir davon ausgehen, daß er dann ebenso gegen diese seltsame Gleichmacherei stand und ihm diese zuwider war???
      Denn woran will man die Gleichheit hängen, wenn die „Vielfalt“, die Unterschiedlichkeiten alle weggeschliffen sind…
      Hatte Antoine eine „Glaskugel“?, wußte er schon von dem Gender-Wahn???
      Hat er diese Konsequenz der „Egalité“ schon gesehen und gemeint?

      Lieben Dank für deine Worte,
      Raffa.

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      • Diese Beliebigkeit des Wortes ‚gleich‘, in dem sprachlich ja noch so viel mehr steckt, war sicherlich immer ein Problem. Ich denke nicht, dass er den Genderwahn meinte, dennoch gab es zu seiner Zeit auch gewaltige Umbrüche in der Gesellschaft, die soziale Stellung hatte eine große Bedeutung und war wesentlich determinierender als heute. Gleichheit zu leben war absolut nicht selbstverständlich. Und doch kämpften die Suffragetten für mehr Rechte, es brach etwas auf. Man braucht keine Glaskugel, die Gegenwart, in der er lebte, bot genügend Reibungspunkte für eine kritische Auseinandersetzung mit diesem so leichtfertig verwendeten Begriff.
        Lieben Gruß aus dem Wahrsagezelt
        Alice

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        • Ja, der Antoine lebte in einer wahrlich spannenden Zeit, wo die Gedankenkonstrukte der Neuzeit (ca. 1840 – ca.1915) in Strukturen gegossen wurde. So konnten die, die damals „sehend“ waren erkennen, wohin die Reise gehen soll – doch das ist eine wirre Idee meinerseits !! (;-)…
          So ist „Egalité“ auf der einen Seite (oder auf der alten Seite) absolut ein anstrebenswerter „Zustand“ – doch leider wird er pervertiert und ins Gegenteil verdreht … – nach dem Gusto derer, die mit Zwang arbeiten und
          die Liebe, die in uns gelegte Vielfalt, gerne entsorgen möchten, unter dem gekaperten und beschnittenen begriff der Gleichheit…
          und so kommen wir zu den nächsten Folgewerken der Literatur: 1984, Neiue schöne … etc.

          Uiih, der Ritt wird jetzt gewagt, spannend und herausfordern – und das, am Morgen nach der Himmelfahrt, uhuhuh….

          Danke für die wachen Augen,
          Raffa.

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          • Gleichheit in der nicht pervertierten Form ist eine Bedrohung für die, die sich als was Besseres wähnen und ein Ansporn für die , welche sich am Ende der Nahrungskette befinden. Verkaufe ich Gleichmacherei als Gleichheit, bin ich sicher und kontrolliere es auch noch, das System, auf dass ich mich über anderen behaupten kann..
            Ich muss gestehen, dass mir diese Gedanken einen leichten Würgreiz verursachen.
            Lieben Gruß
            Alice

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            • Uuuhh,
              na, das war jetzt gar nicht beabsichtigt von mir, vor dem zweiten Kaffee oder Tee…
              Doch dieser Erkenntnis kann ich als alter Revoluzzer nicht widersprechen, ist sie doch verdammt wahr und bestätigt das noch ältere „bon mot“, daß Wahrheit mitunter „weh tut“.
              Erstrecht, wenn die „Kontrollettis“ derzeit zu Hochform auflaufen.

              Drum, laß uns den nächsten Kirschbaum pflanzen,
              auch wenn es ein wenig dauert, bis der daraus gewonnene Kirschgeist den Magen und vielleicht auch ein wenig mehr beruhigt.

              Alles Liebe,
              Raffa.

              Gefällt 1 Person

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